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Veröffentlicht von Prof. Dr Dorothee Gänshirt am 21. May 2026

Wenn das Haar leiser wird – erblich bedingten Haarausfall verstehen

Es beginnt oft unauffällig.
Die Haare fühlen sich feiner an als früher. Am Oberkopf wirken sie weniger füllig. Beim Blick in den Spiegel ist es kein klarer Moment – eher ein Gefühl: Irgendetwas hat sich verändert.

Erblich bedingter Haarausfall ist kein plötzliches Ereignis.
Er ist ein langsamer, schleichender Prozess – und die häufigste Ursache für Haarausfall. Rund 80 % der Männer sind betroffen und verlieren im Laufe ihres Lebens Haare. Was viele nicht wissen: Auch etwa jede zweite Frau ist betroffen und verliert – meist mit Beginn der Wechseljahre – zunehmend an Haarvolumen.

Was dabei passiert, liegt verborgen unter der Oberfläche – in der Haarwurzel selbst.

Die Rolle von DHT – ein körpereigenes Hormon
DHT (Dihydrotestosteron) ist eine Umwandlungsform des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Bei Menschen mit erblich bedingtem Haarausfall reagieren die Haarwurzeln auf dieses Hormon empfindlich.Die Folgen zeigen sich nicht sofort – sondern mit der Zeit: Die Wachstumsphase der Haare verkürzt sich, die Ruhephase verlängert sich. Dadurch nimmt das Haarvolumen ab. Mit jedem neuen Zyklus wächst das Haar ein Stück feiner nach.

Die schleichende Veränderung der Haarwurzel
Gleichzeitig wird die Haarwurzel nach und nach kleiner und weniger leistungsfähig. Dieser Prozess wird als Miniaturisierung bezeichnet. Wo früher kräftige, starke Haare gewachsen sind, entstehen zunehmend dünnere Haare, die an Pigment verlieren und kürzer bleiben. Aus vollem Haar wird nach und nach ein feiner Flaum – bis im fortgeschrittenen Stadium kahle Stellen entstehen können.
Auch das Umfeld der Haarwurzel verändert sich: Das Gewebe rund um den Follikel kann sich im Laufe der Zeit umbauen und verhärten. Die Haarwurzel wird zunehmend von Bindegewebe umschlossen und verliert an Flexibilität.
Für Betroffene bedeutet das: In diesem fortgeschrittenen Stadium wird es deutlich schwieriger, wieder kräftiges Haar nachwachsen zu lassen.

Warum der richtige Zeitpunkt entscheidend ist
Das Tückische am erblich bedingten Haarausfall ist dieser schleichende Umbau in der Haarwurzel. Solange die Haarwurzel noch aktiv ist, lässt sich ihr Umfeld positiv beeinflussen. Doch je weiter der Prozessfortgeschritten ist und je stärker die Haarwurzel von Bindegewebe umgeben ist, desto mehr verliert sie die Fähigkeit, wieder kräftige Haare zu bilden – selbst dann, wenn man sie gezielt unterstützt. Was einmal verloren gegangen ist, lässt sich – wenn man zu spät reagiert – nur schwer zurückholen.

Deshalb ist frühes Handeln entscheidend.
Nicht erst reagieren, wenn die Kopfhaut sichtbar wird. Sondern dann, wenn sich das Haar anders anfühlt. Wenn die ersten feinen Veränderungen beginnen. 
Ein bewusster Umgang mit Haargesundheit Erblich bedingter Haarausfall bedeutet nicht, dass man nichts tun kann. Doch es erfordert ein rechtzeitiges Handeln. Je früher man beginnt gegenzusteuern, desto größer ist die Chance, die Haarqualität langfristig zu erhalten und bis ins hohe Alter sichtbar volleres Haar zu behalten. Genau darin liegt die entscheidende Chance:

Je früher man beginnt, desto mehr lässt sich bewahren.

Autor:

Prof. Dr Dorothee Gänshirt